Episode 7 – Zettai Unmei Mokushiroku

Resümee aus Tōkyō 2

Der Advent hat begonnen, die Konbinis hängen voll Lametta. Passend zur andächtigen Stimmung wird in dieser Episode ein bisschen gepöbelt über das, was nicht ganz so geil ist in Japan: es geht um zu enge Fußgängerwege, Fahrradfahrer und die Gehgewohnheiten der hiesigen Bevölkerung. Außerdem spreche ich ein bisschen Lernmethoden für japanische Vokabeln und über Wieland Wagners Buch „Japan: Abstieg in Würde“
Frohe Adventszeit allesamt!

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2 Gedanken zu „Episode 7 – Zettai Unmei Mokushiroku

  1. Du sagtest, dass Du Kommentare willst, also hier ein paar Gedanken zum aktuellen Podcast:

    Nonverbale Kommunikation/KY:
    Das mit dem Augenfunkeln wirkt schon ein bisschen Nihonjinron-mäßig.

    Arbeit und soziales Umfeld:
    Die Sache mit der „wohligen Atmosphäre“ kenne ich aus dem Brass Band-Club (吹奏楽) in der japanischen High School. Am Anfang hat mich die rigorose Übungs- und Proberoutine auch einfach nur perplex gemacht (das war ein echter Kulturschockmoment), aber nach etwa einem halben Jahr hatte ich mich dran gewöhnt und hatte sogar Spaß am pauseblosen Üben.
    In was für Clubs bist Du so an der Uni?

    Nette japanische Unidozenten:
    Deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich war damals in einer Ethnologie-Vorlesung für reguläre japanische Studenten und hab die 単位s bekommen, obwohl ich die zwei kleineren Aufsätze, die während des Semesters zu schreiben waren, nicht abgegeben habe und den Abschlussaufsatz einen Abend vorher ganz schlecht hingerotzt habe.
    btw hört sich das, was du über Seminare an der Uni erzählst, ganz interessant an. Ich hab mir Veranstaltungen, in denen ich selbst relativ regelmäßig Japanisch hätte sprechen/vortragen müssen, in meiner Zeit an der japanischen Uni leider noch nicht so richtig zugetraut.

    Kanji-Lernen:
    Ist Wanikani ähnlich wie Heisig? Also mit Eselsbrücken für die einzelnen Kanjibestandteile?
    Ich benutze Anki, kann aber gut verstehen, was Du mit dem „Haptischen“ meinst. Ich verbinde es daher mit Schreiben, d.h. ich mache die Wiederholungen kaum unterwegs (obwohl das ja eigentlich gerade ein Pluspunkt der Sache ist), sondern eher zuhause oder an der Uni zusammen mit Stift + Papier.
    Das mit den (Online-)Wörterbüchern stimmt; man muss schon ziemlich fortgeschritten sein, um aus den angezeigten Wortentsprechungen die passende für den jew. Kontext „rauszufühlen“
    Ich filtere beim Lesen auch Neues raus, allerdings lerne ich die neuen Kanji dann meist nicht einzeln, sondern zusammen den Vokabeln/Komposita, in der sie vorkommen. So lerne ich zwar nicht direkt alle möglichen Lesungen, spare mir aber quasi Merkleistungen für Zusatzinfos, die ich vielleicht nie brauchen werde.

    Kaiser:
    Ich würde schon sagen, dass der Kaiser zumindest keine unwichtige Rolle spielt. Ja, auf der Alltagsebene eher nicht so, wobei das Kaiserhaus auch da v.a. in den letzten paar Jahren wegen der Abdankung etc. ziemlich in den Vordergrund gerückt ist. Trotz (oder gerade wegen?) des Symbolstatus finde ich, dass er immer noch relativ viel (subtile) Macht hat; Abe und andere Nationalisten müssen sich z.B. (zumindest mit dem eher liberaleren Akihito, ich hoffe, dass Naruhito eine ähnliche Haltung einnimmt) mit der Figur arrangieren, um ihre eigene Glaubwürdigkeit vor dem konservativ-nationalistischen Publikum zu erhalten, auch wenn es Interessenkonflikte gibt etc.

  2. Vielen Dank für den Kommentar. Ich versuche auf alles ausführlich einzugehen und habe noch ein paar Links eingefügt.

    1. KY, Atmosphäre lesen: Klar, klingt nach “die Japaner sind so besonders”, aber wissenschaftlicher als ESP ist es und das richtige Timing in einer Situation zu finden ist wesentlich wichtiger als in Deutschland (in England anscheinend auch). Zur Kommunikation wird nicht besonders viel Mimik benutzt, Gesichtsmuskeln bleiben weitestgehend wie sie sind (was bestimmt auch Falten vermeidet :P)

    Zum Thema habe ich noch ein wunderbares Interview mit dem Japanologen Peter Pörtner gefunden.
    https://www.dctp.tv/filme/ungleichzeitigkeit-gegensinn-allgegenwart

    2. Clubs: Ich bin gerade im Kyogen-Club, der wirklich noch verhältnismäßig locker ist. Habe letzte Woche an einem Redewettbewerb teilgenommen und da störte mich anfangs das wöchentliche Proben und die Generalprobe vor der Aufführung (wer kommt wann wie auf die Bühne etc.) sehr, man könnte vieles effizienter lösen, das meiste über Internet und ohne Gruppenzwang, aber naja, hat alles seine Vor- und Nachteile.

    3. Uni. Das variiert sicher von Uni zu Uni, aber zu Gästen ist man ja in der Regel nett. Die japanischen Studierenden in Deutschland werden jedenfalls oft mit Samthandschuhen angefasst bei Prüfungen etc. Und oft sind die Anforderungen an japanische Studierende in Japan selbst nicht wirklich hoch, physische Anwesenheit gibt oft die meisten Punkte. Bei meinem ersten Auslandsaufenthalt hätte ich mir japanischsprachige Kurse auch nicht zugetraut, dieses Mal wollte ich mich aber herausfordern.

    4. Kanji-Lernen: Wani-Kani ist ein wenig wie Heisig nur dass Bedeutung, Lesungen und Komposita zusammen gelernt werden, ist auch etwas systematischer. Ich kenne das System, habe es bisher aber nur über die Seite Kanjidamage angewendet, die ganz lustig und dazu kostenlos ist. Kontext ist auf jeden Fall wichtig. Für den JLPT N1 hatte ich damals nur das Kanji-Buch benutzt und nicht das für Wortschatz, was im Nachhinein, glaube ich, etwas ineffizient war.

    http://www.kanjidamage.com

    5. Kaiser. Klar, ein Politikum ist er auf jeden Fall. Im Buch wird er etwas gewollt als Symbol für eine mögliche Veränderung oder zumindest als Anstoßgeber dafür interpretiert, was ich etwas übertrieben finde.

    Tawada Yoko zur Rolle des Tenno nach Fukushima in der Taz:
    taz: Welche Rolle spielt die Stimme des japanischen Kaisers dabei?
    Yoko Tawada: Was er sagt, hat für uns überhaupt keine Bedeutung. Für die deutschen Medien ist er aus irgendeinem Grund sehr wichtig.

    http://www.taz.de/!302665/

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